Der Auftrag

Ich hab schon gedacht, wir gehen nie mehr auf den Weinmarkt. Aber heute haben sie mich mitgenommen, das heißt, Hannes hat mir mit dem Finger gewunken, ich soll mit, und ich bin schön brav hinter Linhard und Hannes her und war vorsichtshalber ganz still, damit ich möglichst nicht auffall. Nicht dass Linhard mich doch noch zurückschickt.

Die Frau Hoevels hat mich angelächelt, aber nur ganz kurz, sie hat Ringe unter den Augen. Die Becher mit dem Gerstenwasser hat sie praktisch vor uns auf den Tisch geknallt.

„Niemals. Eher gehe ich ins Kloster.“

„Aber Alit“, sagt Linhard, „du kannst doch nicht ins Kloster gehen.“

Noch nie hab ich bei der Frau Hoevels so ein böses Gesicht gesehen. „Sag du mir nicht, was ich tun kann und was nicht, Linhard Paumer. So schnell, wie das Tor von St. Klara hinter mir zugeht, schaust du garnicht. Ein, zwei Tage, bin ich drin.“

„Und kommst nie wieder raus“, sagt Hannes.

„Alles besser als Mertein Rummel. Ich habe gehört, er treibt sich schon wieder im Hinterzimmer vom Mönchlein herum. Ehe ich den heirate, gehe ich ins Kloster, so wahr ich hier stehe.“

„Alit“, sagt Linhard.

„So weit wird es vielleicht nicht kommen“, sagt Hannes. Er packt mich am Kittel und zieht mich ein Stück weg.

„Kann ich mich auf dich verlassen?“

Ich muss total blöd geschaut haben.

„Kannst du was für mich erledigen, keine Fragen stellen und vor allen Dingen: den Mund halten? Auberlin?“

Hannes schaut mir genau in die Augen. Das ist immer, als schaut einer direkt in dich hinein, das ist fast ein bisschen unheimlich. Ich nicke.

„Ich sag nix“, sage ich. „Ich mach aber nichts Verbotenes.“

Hannes guckt mich an, dann lacht er. Ich denk, er schimpft, aber er rubbelt mir durch die Haare.

„Das musst du auch nicht.“ Er fischt ein paar Haller aus seinem Beutel. „Du sollst nur ein paar Sachen für mich besorgen. Geh in die Vorstadt, wo dich keiner kennt, nach Wöhrd vielleicht. Besorg mir einen Eimer Löschkalk und ein bisschen Holzasche.“

„Was? Willst du unseren Stall kalken oder was?“

„Ich hab gesagt, frag nicht. Was du nicht weißt, musst du nicht vergessen. Lauf und schau zu, dass dich keiner sieht. Und dann bringst du die Sachen bei uns in den Stall und vergisst, was du gekauft hast. Kann ich mich auf dich verlassen?“

Oh, Mann. Der Hannes, sich auf mich verlassen! Mir bricht fast der Kopf ab vom Nicken.

„Lauf.“

4 Gedanken zu “Der Auftrag

  1. “Ich sag nix”, sage ich. “Ich mach aber nichts Verbotenes.”
    Der Auberlin wächst mir langsam ans Herz, ein Jungspund, zu allen Abenteuern aufgelegt, ordentlich bemüht und der Hannes kümmert sich um den Auberlin – manchmal.

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