Gottes Vollkommenheit

Es ist nicht mehr auszuhalten mit Linhard, nichts kann man ihm recht machen. Ich möcht nur wissen, was er hat, den stört echt die Fliege an der Wand.

„Auberlin!!!“

Und dann weiß ich schon, er hat wieder was gefunden, was ich nicht richtig gemacht hab.

Diesmal gings um einen Eintrag ins Rechenbuch. Dass ich immer nicht ordentlich genug schreib und so.

„Na jaaaa“, machte Hannes. Er reckte den Hals übers Schreibpult. „Könnte schöner sein, aber so schlimm find ich’s jetzt auch wieder nicht. Lesen kann man’s. Der Bub ist ja kein Kanzleischreiber.“

„Du kommst mir grade recht. Diese Spalte hier, wer hat die eingetragen? Das warst du. Das sieht aus, als wär ein Hase übers Buch gelaufen, wer soll das zusammenrechnen?“

Linhards Zeigefinger stach aufs Papier. Hannes‘ Augen wurden ganz schmal, und ich dachte, au backe, jetzt gibt es Zoff. Aber er nahm bloß Linhards Zeigefinger mit zwei spitzen Fingerchen vom Buch und hob ihn langsam auf die Seite. Hannes blätterte im Rechenbuch zurück, auf die Seiten vorher, wo Linhard seine Einträge gemacht hat, Spalte um Spalte säuberlichst untereinander und in gestochen schöner Handschrift, so wie sie das in der Offizin von Meister Koberger machen, also der wo die Bücher druckt. Am Egidienberg, wisst ihr?

Hannes wiegte den Kopf hin und her.

„Weißt du nicht, dass Gott allein vollkommen ist, Linhard? Es ist für uns Menschen eine große Sünde, ihm nachzueifern.“

4 Gedanken zu “Gottes Vollkommenheit

    • Das Tüchle! LOL! Da hast du unseren Linhard aber durchschaut, direkt bis auf den schwarzen Grund seiner Seele.
      Ich fürchte aber, die Sache ist ernster.

  1. Weißt du nicht, dass Gott allein vollkommen ist, Linhard? Es ist für uns Menschen eine große Sünde, ihm nachzueifern.”

    Dieser Satz gefällt mir sehr.

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