Hustenrettich

Alit ist seit Tagen nicht mehr auf dem Markt gewesen, und ich bin einfach mal bei ihr vorbeigegangen; ich kann eine kleine Menge Ingwer günstig bekommen, das wäre vielleicht was für sie.

Alit öffnet mit Ringen unter den Augen und einem Bündel an der Brust. Das Bündel wimmert.

“Alit?”

Sie macht eine Kopfbewegung, komm ins Haus. In der Stube setzt sie sich, nein, fällt sie auf die Ofenbank.

“Ist das dein kleiner Neffe?”, frage ich, und sie zieht das Tuch ein wenig zur Seite. Ein gelbes Gesichtchen kommt zum Vorschein. Das kann doch nicht der Junge sein, für den ich vor ein paar Tagen erst einen Haselstecken abgeschält habe, weil er unbedingt ein weißes Pferd haben wollte?

“Er glüht”, sagt Alit, “er isst nicht, er trinkt nicht, er hustet, er bekommt fast keine Luft mehr. Ich bin durch die halbe Stadt gelaufen, um wenigstens ein paar Rettiche aufzutreiben, meine haben die Ratten gefressen. Jetzt hab ich ihm einen Saft angesetzt, hoffentlich nimmt er den. Wein ninmmt er nicht, er ist ja noch so klein.“

Alit schießen die Tränen in die Augen. Sie legt ihre Backe auf den Kopf des Kleinen und wiegt ihn hin und her.

„Er ist so ein lieber, gescheiter kleiner Kerl“, sagt sie. „Er kann sogar schon zählen.“

Ich weiß, er hat es mir aufgesagt. Eins zwei drei vier fünf sieben elf neun zehn!!! Die Zehn mit einem Jubelschrei, und dann schüttete er sich aus vor Lachen und lief Alit in die Arme, ein kleines, kompaktes Bündel Lebenskraft. Das war wann, vor drei, vier Tagen?

„Wenn man doch helfen könnte“, sagt Alit.

Jetzt weint sie wirklich.

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