Im Schneppergraben

Boahh, tun mir die Arme weh. Und die Backe, aber das ist eine andere Geschichte.

Weil nämlich, in fünf Wochen ist auf der Hallerwiese ein Fest, wo um die Wette geschossen wird. Wahrscheinlich gibt’s sogar ein Wettschießen mit Kanonen. Der Rat hat einen Preis ausgesetzt und ich hab gehört, dass Kanonenschützen aus Regensburg und Augsburg kommen. Stellt euch das mal vor.

Ich muss jetzt jeden Tag üben. Hannes hat sich von mir zeigen lassen, was ich mit der Armbrust schon kann, ich bin ja seit diesem Sommer bei den Schnepperschützen.

Eigentlich bin ich in der Anfängergruppe ganz gut, so im oberen Drittel, aber Hannes hat mir die Armbrust aus der Hand genommen, bevor ich überhaupt den Bolzen eingelegt hatte.

„Um Himmels Willen. Du wärst nicht der erste, der sich in den Fuß schießt, Auberlin“, hat er gesagt. „Wer ist denn euer Schützenmeister bei den Schnepperschützen? Kein Wunder, dass in der Stadt so gemeingefährliche Trottel herumlaufen wie dieser Sixtus Wiehr. Ab heute übst du mit mir. Auf keinen Fall wirst du uns beim Wettschießen blamieren, klar? Und du wirst auch bitte nicht ein paar Zuschauer erschießen. Himmel.“

Und deswegen lern ich jetzt Armbrustschießen bei Hannes. Nach zehn Minuten hab ich gewusst, dass das Kinderkram ist, was wir im Schneppergraben machen. Hannes trifft zwanzigmal hintereinander auf hundert Schritt einen Lederfleck, der nicht größer ist als meine Hand. Mir fallen nach zehn Minuten schier die Arme ab und ich hab noch kein einziges Mal geschossen, bloß gespannt und angelegt. Armbrustschießen ist ganz schön schwer. Es sieht bloß leicht aus – bei Hannes ;(

Und ich muss meine Backe kühlen.

3 Gedanken zu “Im Schneppergraben

  1. Ich hab ihm eine eingeschenkt.
    Der Bengel spannt seine Armbrust, legt den Bolzen ein, hebt an und zielt. Ich steh brav daneben und sag: Schultern runter, Auberlin.
    Was macht das Bürschchen? Dreht sich zu mir um, gespannte Armbrust und alles, der Bolzen zeigt mitten auf meine Brust.
    Ich seh da genau zwei Möglichkeiten. Entweder Auberlin merkt sich auf der Stelle und für alle Zeiten, dass er nie wieder mit einer gespannten Armbrust auf einen Menschen zielt – außer er will ihn umbringen – oder das war die letzte Armbrust, die er angefasst hat.
    Als nächstes kauf ich mir den Schützenmeister bei den Schnepperschützen. Bringt der den Burschen denn gar nichts bei?
    Ich hätt bei unserm Auberlin natürlich nicht derart hinlangen müssen, aber ich hab ehrlich gesagt überhaupt nicht nachgedacht. Wenn einer aus drei Schritt Entfernung eine Armbrust auf dich richtet, dann denkst du nicht nach. Denken dauert zu lang.
    Im Übrigen kannst du nur froh sein, dass die Nürnberger dermaßen viel Geld haben. Denn dass die ihre Stadt selber verteidigen könnten, mit einer Bürgerwehr, die ausgebildet wird wie unser Auberlin, Himmelherrgott. Die schießen sich ja beim ersten Schrecken gegenseitig tot.
    Verdammte Pfeffersäcke, alle miteinander. Außer zum Geldscheffeln zu nichts zu gebrauchen.

    • Au weh, der arme Auberlin. Lieber Hannes, ich stimme Dir zu – mit Waffen rumspielen ist gefährlich und kann im schlimmsten Fall tödlich enden.

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