Matthes

Ich bin die rechte Hand vom Herrn Lorenz Paumer, und das schon so lange, dass ich alt und grau geworden bin darüber. Ich kümmere mich um die Fuhrwerke und Pferde, helfe im Kontor, kaufe das Buchsbaumholz für die Messergriffe undsoweiter. Den Linhard habe ich aufwachsen sehen und ihm alles beigebracht, was ich selber weiß und kann, er ist für mich wie mein eigener Sohn. Weil der alte Lenz Paumer nicht gerne in Venedig ist, sind es inzwischen meistens Linhard und ich, die dort einkaufen – Gewürze und Seide, und verkaufen, vor allem Messer aus Nürnberger Produktion.

Jetzt, wo der zweite Sohn, der Hannes, wieder heimgekommen ist, ist der Alte den ganzen Tag gut gelaunt und pfeift wie ein Vogel, falsch allerdings. Ich freue mich auch, dass der Hannes wieder zu Hause ist, das ist ja klar und auch fast ein Wunder, aber er ist mir fremd geworden. Er redet wenig, beobachtet alles und lässt niemanden an sich heran, nicht einmal Linhard, der seinen Bruder über alles liebt. Ich werde nicht recht schlau aus dem Burschen. Und dabei war er so ein fröhliches, hübsches Kind.

Linhard, den anderen Sohn, kenne ich wie die Schwielen auf meiner eigenen Hand. Was der denkt, sehe ich ihm schon an, ehe er es selber weiß.

Ob der Hannes sich hier wieder einlebt nach so langer Zeit?

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