Stimmen in der Nacht

Ich hab mir ganz fest vorgenommen, dass ich nicht einschlaf heut Abend, weil, ich war mir ziemlich sicher, Hannes macht was. Ich hab Hannes und Linhard streiten hören, hinter geschlossenen Türen, aber wenn man sich anstrengt, versteht man schon bisschen was.  Man muss nur selber ganz leise sein und nicht zu laut atmen, sonst hört man nämlich nichts, aber die andern hören einen, wenn’s dumm geht.

Linhard hat sich ziemlich aufgeregt. Ich hab aber bloß das Ende mitgekriegt. „Bist du verrückt geworden? Weißt du, was die mit dir machen, wenn sie dich erwischen???“

„Mich, Linhard?“ hat Hannes gefragt; Mann, klang der sauer. Und dann musste ich rennen, weil einer die Tür aufklinkte.

Ich bin dann doch eingeschlafen. Matthis und ich haben den ganzen Tag Messer eingepackt und ich war gescheit müde. Ich bin aufgewacht, weil unser Hund gebellt hat. Jemand hat ihn leise gerufen, ich hab seine Krallen auf dem Pflaster klicken hören und er hat gefiept, aber so wie wenn er jemand kennt, also war es wahrscheinlich kein Einbrecher. Ich hab nicht gewusst, ob ich aufstehn und nachschauen soll oder nicht, oder Matthis wecken… und dann hat ein bisschen was geplätschert wie Wasser, jemand hat  was gesagt und ein anderer hat gelacht, alles ganz leise, dann ging die Haustür zu und nichts mehr.

Ich denk, dass da eher jemand gekommen als weggegangen ist.

Und ich denk, dass ich machen sollt, was Hannes gesagt hat: vergessen, was ich gehört hab. Weil, eigentlich hab ich ja nichts gehört.

Bloß wissen tät ich’s natürlich schon gern.

2 Gedanken zu “Stimmen in der Nacht

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