Bei Meister Wolgemut

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Beide Torflügel zu Meister Wolgemuts Werkstatt stehen offen, und drinnen in der Eingangshalle ist es dämmrig und kühl, so fühlt es sich zumindest an nach der Hitze auf den Gassen. Es riecht nach Harz; Bretter und Tafeln stapeln sich bis unter das Gewölbe. Am Eingang hockt ein Lehrjunge auf einem Schemel und kämpft mit einem gelblichen Erdbrocken. Der Mörser ist ein bisschen groß für den Klumpen, er rutscht ihm immer wieder zur Seite.

„Ja?“

Kein Gruß, kein Lächeln, nur dieses eine ungeduldige Wort. Es ist einer der jungen Gesellen, der zu uns herkommt, oder vielleicht ein älterer Lehrling. Ein Bursche in meinem Alter.

wolgemuts malergeselle

Michael Wolgemuts unwirscher Geselle

Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen, als ich nach Meister Wolgemut frage.

„Der Meister hat keine Zeit. Und ich auch nicht. Also, was wollt Ihr? Und Sebald, verdammt, nimm einen kleineren Mörser. Und brauch nicht den ganzen Tag für das bisschen Farbpulver.“

Er schnipst dem Lehrling mit dem Finger gegen das Ohr; der packt seinen Mörser und verschwindet aus der Reichweite des Gesellen.
„Ihr wollt was?????“, fragt er, als ich ihm erklärt habe, was ich brauche. „Ein Schild für einen Verkaufsstand? Wisst Ihr, wo Ihr hier seid?“

Er ist wirklich noch sehr jung, am Kinn hat er mehr Flaum als Bart, gerade mal die Andeutung eines Schattens auf der Oberlippe. Steht aber da, als würde die Werkstatt ihm gehören.

„Wir brauchen das Schild wirklich sehr dringend“, sagt Anna. „Wir zahlen gut.“

Er schaut Anna an wie etwas, das die Katze ins Haus geschleppt hat und das schon ein bisschen komisch riecht. Er würdigt sie keiner Antwort.

„Machen wir nicht“, sagt er zu mir. „Guten Tag.“

So ein Lackaffe. Er hat sich schon abgewendet, wenn ich jetzt noch etwas sagen möchte, muss ich zu seinem Rücken sprechen.

Und habt ihr seine Haare gesehen? Das sind keine natürlichen Locken, die hat er sich mit viel Aufwand und Mühe reingedreht ;(

Affe.