Schon wieder Ratten

Da sind schon wieder ein paar Ratten, im Schuppen und im Stall auch. Wenn ich einen Moment nicht aufpasse, sind sie wieder da. Sie kommen von den Nachbarhäusern herüber, dort sind ganz  viele  Ratten. Haben die denn keinen, der unter den Biestern aufräumt?

Aber hier gibts keine Ratten, jedenfalls nicht lange. Das haben wir gleich.

Ratten

Dieses Mädchen, zu dem ich jetzt gehöre, hat keine Ahnung, jedenfalls nicht von Hunden. Ich habe gesehen, wie sie mich angeschaut hat. Als hätte sie Mitleid mit mir.

Mitleid. Mit mir.

Aber vielleicht heißt das ja, dass sie ein guter Mensch ist. Jedenfalls gibt sie mir Futter.

Ich kann nicht so viel schreiben, ich habe keine Zeit. Muss weitermachen, Ratten fangen. Ratten, hier sind überall Ratten.

Rattenzauber

Es gibt genau zwei Gründe dafür, dass ich bei Null Grad und Schneematsch auf dem Markt stehe, anstatt bei meinem Spinnrad zu Hause zu sitzen. Zum einen verkaufe ich natürlich jetzt ziemlich viel von meinem Gewürzwein. Ich mache ihn selbst, ich habe immer eine Kanne davon auf dem Kohlebecken stehen und meine Stammkunden kommen gern vorbei, wärmen sich die Hände an einem Becher und schimpfen mit mir zusammen ein wenig über den frühen Winter. Ab dem zweiten Becher, den sie bei mir trinken, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich eine Kanne nach Hause bestellen. Abends habe ich immer eine hübsche kleine Liste. Mit anderen Worten, es rechnet sich.

Außerdem muss ich hier das Gesicht meiner Schwägerin nicht ertragen. Sie ist in guten Zeiten schon kein Sonnenschein, und seit wir so viele Ratten im Keller haben, ist es nicht mehr zum Aushalten mit ihr. Es stimmt ja, die Ratten sind lästig, sie werden jeden Tag dreister und springen  einem schon am helllichten Tag über die Füße. Die ganze Straße klagt.

Meine Schwägerin sagt: Wenn die Ratten aus den Häusern kommen, gibt es ein großes Sterben in der Stadt. Sie hat – von wem, wollte sie nicht sagen – Wasser gekauft, das aus einer Gertraudquelle stammt. Oder aus einer Ulrichsquelle. Oder aus dem Brunnen am Milchmarkt, jedenfalls hat es genau denselben komischen Geruch, aber das sage ich ihr lieber nicht noch einmal. Das Wasser gießt sie in die Rattenlöcher und murmelt etwas dazu, was ich gar nicht so genau hören will.

Sie hat auch kleine Pergamentstreifen gekauft, auf denen der Name der Heiligen Gertrud und ein Zauberspruch steht. Die muss man in die Rattenlöcher stecken.

Ich frage mal herum hier auf dem Markt, ob jemand einen guten Rattenhund abzugeben hat. Für den Fall, dass die Ratten bei uns im Keller nicht lesen können.