Status

Heruntergekommene Strauchdiebe, Schläger und Raubgesindel, das sind sie, unsere Herren vom Adel. Wenn sie die letzte Fuhre Korn und das letzte halbverhungerte Schwein aus ihren Bauern herausgepresst haben und es immer noch nicht reicht für ein standesgemäßes Streitross und einen Harnisch für den nichtsnutzigen Ältesten, was machen sie dann? Finden irgendeinen durch und durch lächerlichen Vorwand, schreiben der Stadt Nürnberg einen Absagebrief und nehmen sich künftig das Recht heraus, Nürnberger Kaufleute zu überfallen. Das kostet uns ein Vermögen an Geleitgeldern, und erst recht an Lösegeld für uns und unsere Waren, wenn es schiefgeht. Diebsgesindel. Was tun die jemals wirklich, außer Bauern schikanieren? Kämpfen? Das haben wir im letzten Krieg gesehen, wie die kämpfen. Bauerndörfer anzünden, ja, da sind sie groß.

Und einer dieser Kerle schlägt mitten in der Stadt meinem Bruder ein halbes Dutzend Rippen ein. Auf dem Markt, während der Heiltumsweisung, vor aller Augen, aus Feigheit, weil er wie ein kleines Kind Angst hat vor ein paar Dachziegelchen und es ihm egal ist, wen er in seiner Angst um sein liebes Leben niedertrampelt.  Unser Wehrstand. Jeder Bauer auf seinem Misthaufen ist mir lieber als diese –

„Linhard“, sagt Hannes, „trink noch einen Schluck. Du wirst die Welt nicht ändern, nicht so schnell, aber wenn meine Rippe wieder heil ist, dann machen wir das gemeinsam, du und ich, in Ordnung? Aber jetzt reg dich ab.“

Hannes.

Nicht schon wieder diese zwei

Beinahe seit ich Ratsherr bin, und das ist schon ziemlich lange, bin ich Schöffe am Fünfergericht. Alle außer mir sind der Meinung, ich mache das gut. Mit anderen Worten, sie sind heilfroh, dass sie es nicht machen müssen. Es ist eine der weniger ruhmreichen Tätigkeiten im Rat. Mit Königen und Kaisern verhandeln… jaja. Aber besoffene Fuhrknechte zu Geldstrafen verurteilen? Den Frieden wiederherstellen, wenn die Messerer- mit den Pflasterergesellen aneinandergeraten… und, vor allen Dingen: die Söhne unserer ehrbaren Geschlechter zur Raison bringen, solange sie noch nicht verstanden haben, dass Gesetze auch für sie gelten.

Waffentragen in der Stadt. Verbotenes Glücksspiel. Prügeleien um Mädchen. Raufereien, nächtliche Randale, Waffenzücken, Drohungen, Beleidigungen, Beschädigung von fremdem Eigentum, Verleumdung, Ruhestörungen und nochmal Raufereien. Alle Sorten Unfug, die ihr euch vorstellen könnt, und einige, die ihr euch wahrscheinlich nicht vorstellen könnt. Ein paar von unseren angesehensten Handelsherrn machen heute noch einen Bogen um mich, wenn sie mich sehen; als hätten sie heute noch Sorge, dass ich sie ein paar Tage in den Turm sperren lasse. Das tue ich nicht. Die meisten haben ihre Lektion gelernt.

Aber, wie das Sprichwort schon sagt, die Dummen werden nicht alle und alle paar Jahre wächst wieder eine Generation von jungen Dummköpfen heran, mit denen ich mich dann herumschlagen muss. Wenn ihnen wenigstens mal was Neues einfallen würde. Aber es geht mit jeder neuen Generation von vorne los, Waffentragen in der Stadt. Verbotenes Glücksspiel. Prügeleien um Mädchen. Raufereien, nächtliche Randale, Waffenzücken, Drohungen, Beleidigungen, Beschädigung von fremdem Eigentum

Die meisten meiner Ratskollegen haben keine Lust dazu. Es sind die Kinder ihrer Nachbarn, Freunde, Geschäftspartner, Schwestern und Brüder, die da vor ihnen stehen und glauben, weil der Schöffe mit ihrem Onkel verschwägert ist, lässt er sie laufen.

Ich lasse sie nicht laufen. Ich habe für Ordnung zu sorgen; Die Bürger in der Stadt wollen in Ruhe ihren Geschäften nachgehen, die Gäste auch. Und deshalb haue ich den jungen Burschen ordentlich auf die Hörner, auch wenn der eine oder andere Vater dann wutentbrannt in meiner Stube steht.

Was ist das hier wieder für eine Geschichte? Wiehr und Paumer – die Stadtknechte mussten sie auf dem Weinmarkt trennen. Beleidigung, Verleumdung, Gewalt. Auf dem Markt, ich bitte euch. Warum nicht gleich in der Kirche?

Der Paumer, wusst ichs doch, dass ich den nicht zum letzten Mal gesehen habe. Einmal hab ich ihn mit einer Strafpredigt laufen lassen; ein zweites Mal kommt er mir nicht so billig davon. Und wer sonst noch? Ahh, Frau Hoevels. Die Schwester des Weinhändlers. Mischen denn jetzt schon unsere Händlerinnen bei den Raufhändeln mit? Und was ist das hier, Sulzfische?  Man denkt ja immer, man hat schon alles gehört, aber das möchte ich jetzt doch wissen, was da vorgefallen ist. Und ich kriege es raus, und wenn ich sie alle zusammen in den Turm stecke.

Das wollen wir doch mal sehen.