Augsburger, Ulmer, Eibenschützen

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Das ist ja lächerlich, was der Alte da will, beim Üben der Eibenschützen zusehen. Was soll es da groß zu sehen geben? Das tue ich mir nicht an, ich bleibe zu Hause. Soll der Stainlinger doch machen, was er will.

Der Thomas Löffelholtz funkelt mich an, und sein Vater hebt eine Augenbraue. „Wenn ein Ratsherr einen Termin ansetzt, dann erscheinst du, Sixtus. Es wundert mich wirklich sehr, dass ich dir das sagen muss. Im Übrigen hat der Stainlinger recht, dass er sich selbst  ein Bild machen will. Wenn die Eibenschützen so schlecht sind wie ihr alle sagt, dann setze ich alle Hebel in Bewegung, damit sie ausgeschlossen werden. Wenn nicht -“

Er dreht sich halb um und schaut zum Irrhertürlein hinunter, wo den ganzen Tag schon Bretter und Latten für die Schießbuden und die anderen Stände herangeschleppt werden.

„Wenn nicht“, sagt der Vater von Thomas Löffelholtz, „dann hoffe ich inständig, dass am Ende einer von ihnen besser schießt als ein Augsburger oder ein Ulmer. Die Hochnäsigkeit der Augsburger ist so schon nicht mehr zu ertragen, wie soll das einer aushalten, wenn sie auch noch beim Schützenfest gewinnen?“

Er schaut uns an, Thomas und mich.

„Ich hätte auch überhaupt nichts dagegen, wenn einer von euch beiden gewinnt. Und jetzt gehen wir, uns mit dem Steinlinger zusammen die Eibenschützen ansehen. Auch du, Sixtus.“

Eibenschützen

„Jeder Bader und Mühlenknecht macht bei den Eibenschützen mit, jeder, der eine Armbrust halten kann“, sagt Löffelholtz senior. „Was gibt Nürnberg denn da für ein Bild ab?“

„Ja“, sagt der Schützenmeister der Herrenschützen. „Wir richten dieses Schützenfest aus, wir müssen den Ton vorgeben. Lasst uns die Teilnahme auf die ratsfähigen Geschlechter beschränken, sage ich. Damit stellen wir sicher, dass kein Anstreicher oder Paternostermacher uns vor den anderen Städten blamiert…“

„Die Augsburger und die Ulmer“, sagt der junge Löffelholtz, „melden auch nur ratsfähige Schützen zur Teilnahme.“

Die anderen, sogar Sixtus Wiehr, sehen ihn überrascht an. Jeder weiß, dass die Augsburger und die Ulmer jeden Hirsestampfer, jeden Gassenbuben, Holzmesser, Heftlesmacher und Hühnerträger, jeden Koch und Kellner aufbieten werden, wenn er nur die Chance hat, einen Preis zu gewinnen.

„Die Eibenschützen haben auch überhaupt keine guten Leute dieses Jahr“, sagt der Schützenmeister. Ich kann mir seinen Namen einfach nicht merken. Einer von den Rummel.

Da habe ich allerdings anderes gehört. Aber das lässt sich ja feststellen. Und es ist Zeit, dass ich die alle hier loswerde, ich will heim zum Mittagessen.

„Das lässt sich ja feststellen“, sage ich. „Wir treffen uns heute abend, im Schießgraben der Eibenschützen.“