Winterstürme

Gestern ist ein Schneesturm über Nürnberg weggefegt. Er hat solche Schneemassen über uns ausgeschüttet, dass er die Stadt schier unter sich begraben hat. Nürnberg ist ein Berg, ein ganzes Gebirge aus Schnee; als hätten wir nicht eine Stadt gebaut, sondern Gänge und Kuhlen in den Schnee gegraben wie die Mäuse.

Da ist es gut, dass ich so nah am Weinmarkt wohne. Ich brauche nur aus dem Haus zu gehen, dann habe ich die Sebalduskirche vor Augen. Sechzig Schuh hoch ist das Schiff (und dann kommt noch das Dach), zweihundert, zweihundertvierzig Schuh hoch reckt sie ihre Türme in den Himmel. Kein Schneesturm kann unsere großen Kirchen zuschütten, nicht vor dem Ende der Welt. Und das beweist dann doch, dass wir Menschen sind und keine Schneemäuse, oder?

Auf den Gassen allerdings liegt der Schnee einen Stadtschuh hoch, wir kommen mit dem Schaufeln gar nicht hinterher, und die Pegnitz ist zu einer Schlammflut angeschwollen. Die Nägeleinsmühle hat den Mahlbetrieb eingestellt, höre ich.

Arbeit habe ich mehr als genug. Von meinem Gewürzwein kann ich gar nicht so viel herstellen, wie die Leute kaufen wollen. Die Leute könnten ihn zwar alle selber machen, so schwierig ist das nicht, aber es hat sich herumgesprochen, dass Frau Hoevels‘ Gewürzwein besonders gut und gesund ist. Da steckt natürlich die Stainlingerin dahinter; seit ihre Tochter bei mir Lehrtochter ist, kann sie gar nicht mehr aufhören, meinen Wein zu loben. Wahrscheinlich muss sie sich ständig rechtfertigen, weil sie ihre Tochter zu einer Weinhändlerin in die Lehre gibt. Da erklärt sie den Leuten eben, dass ich eine besondere Weinhändlerin bin. Das bin ich nicht, aber die Leute glauben der Stainlingerin. 

Ich kann also nicht klagen, Schneemassen hin oder her. Es ist zwar alles mühselig – das Holz- und das Wasserholen, das Reinigen der Becher und Kannen undsoweiter – aber wir sind alle gesund, auch die Kinder, und in meiner Küche ist es warm. Und ihr könnt sicher sein: Ich habe einen Topf Ochsensuppe auf dem Herd stehen 🙂

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